Ein halbes Jahr Spielhöhle Regensburg – was ich dabei gelernt habe

Ein halbes Jahr Spielhöhle Regensburg – und ich lerne jeden Tag dazu.
Die Spielhöhle gibt es jetzt seit einem halben Jahr. In dieser Zeit habe ich unglaublich viel gelernt – und mir ist bewusst geworden, wie viel ich noch lernen kann.

Seit ich selbst einen Laden führe, betrete ich andere Geschäfte mit völlig anderen Augen. Ich schaue nicht mehr nur als Kunde darauf, welche Produkte angeboten werden. Ich beobachte auch, wie sie präsentiert werden: Welche Möbel kommen zum Einsatz? Wie wird das Licht gesetzt? Wo verlaufen die Wege durch den Laden? Wie werden unterschiedliche Produktgruppen zusammengefasst? Und wie oft wird die Gestaltung verändert?

Dabei schaue ich mir ganz bewusst große Buchhandelsketten, Spielwaren- und andere Hobbyläden an. Hinter der Gestaltung großer Geschäfte steckt schließlich jede Menge Erfahrung und Fachwissen. Ich versuche zu erkennen, welche Ideen dahinterstecken – und überlege dann, was davon zu meinem kleinen Laden und meinem besonderen Sortiment passt.

Genauso wichtig ist für mich die Frage, was mir nicht gefällt. Warum wirkt eine Ecke unübersichtlich? Warum finde ich ein bestimmtes Produkt nicht? Warum fühlt sich ein Raum unruhig oder vollgestellt an? Und mache ich vielleicht selbst etwas ganz ähnlich?

Seit der Eröffnung laufen diese Gedanken eigentlich ständig mit. Produktplatzierung, Präsentation, Beleuchtung und Raumnutzung sind für mich zu einem dauerhaften Lernprozess geworden. Vieles davon entsteht durch genaues Beobachten, Ausprobieren und anschließendes Verändern.

Denn ein Laden ist niemals wirklich fertig.

Ein wachsendes Sortiment auf kleinem Raum

Eine besondere Herausforderung ist, dass mein Sortiment permanent wächst. Die Spielhöhle steht auf drei Grundsäulen: Sammelkartenspiele, Miniaturen-Kriegsspiele und Rollenspiele. In allen drei Bereichen möchte ich mich breiter aufstellen, neue Spiele aufnehmen und gleichzeitig die bereits vorhandenen Systeme vernünftig präsentieren.

Das ist auf der begrenzten Fläche gar nicht so einfach. Ein Spiel soll nicht nur irgendwo im Regal stehen, sondern auch so wirken, als wäre es wirklich Teil des Sortiments und nicht bloß eine vernachlässigte Randerscheinung. Gleichzeitig muss alles übersichtlich bleiben, leicht zu finden sein und noch genügend Platz für zukünftige Erweiterungen bieten.

Deshalb verändere ich den Laden eigentlich ständig. Ich schaffe neuen Stauraum, gruppiere Produkte um, verbessere die Übersicht und versuche, vorhandene Flächen besser zu nutzen. Besonders schön ist es, wenn Menschen nach zwei, drei oder vier Wochen wiederkommen und sagen: „Hier hat sich ja schon wieder etwas verändert!“ Meistens ist das positiv gemeint – und dieses direkte Feedback bestärkt mich darin, dass die Veränderungen auch wahrgenommen werden.

Natürlich kann ich auf der kleinen Fläche niemals alles vorrätig haben. Deshalb soll das Sortiment auch immer ein Ausgangspunkt für Gespräche sein. Wer etwas Bestimmtes sucht, kann mich jederzeit darauf ansprechen. Oft kann ich weitere Produkte zeigen, Empfehlungen geben oder etwas gezielt bestellen.

Begeisterung statt Aufschwatzen

Auch bei Kundengesprächen lerne ich ständig dazu. Zuerst versuche ich herauszufinden, ob jemand schon einmal in der Spielhöhle war. Bei einem ersten Besuch erkläre ich kurz die grundsätzliche Aufteilung: Hier sind die Sammelkartenspiele, dort die Miniaturenspiele und an anderer Stelle die Rollenspiele.

Danach lasse ich die Person erst einmal schauen. Wenn ich merke, dass sich jemand für eine bestimmte Ecke oder ein bestimmtes Spiel interessiert, gebe ich gelegentlich ein paar Informationen dazu. Nicht mit dem Ziel, jemandem unbedingt etwas aufzuschwatzen, sondern um neugierig zu machen und bei der Orientierung zu helfen.

Das fällt mir leicht, weil ich die Sachen, die ich im Laden anbiete, selbst mag. Ich habe nichts im Sortiment, hinter dem ich nicht stehe. Deshalb kann ich ehrlich und mit Begeisterung davon erzählen. Aus einem kurzen Hinweis entsteht dann manchmal ein längeres Gespräch über ein Spiel, ein Hobby oder die Frage, womit jemand am besten anfangen könnte.

Besonders schön ist es, bekannte Gesichter immer wiederzusehen. Gleichzeitig kommen aber auch viele Menschen nur ein einziges Mal vorbei: Leute auf Familienbesuch, Reisende auf dem Weg in den Urlaub oder Touristen, die bei ihrem Aufenthalt die Regensburger Altstadt erkunden.

Dabei habe ich festgestellt, dass erstaunlich viele Hobbybegeisterte in jeder Stadt gezielt nach Spiele- und Hobbyläden suchen. So waren mittlerweile Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern in der Spielhöhle. Daraus entstehen oft spannende Gespräche darüber, was sie selbst spielen, wie die Hobbylandschaft bei ihnen zu Hause aussieht und welche Läden sie auf ihren Reisen bereits besucht haben.

Wenn jemand aus Regensburg oder der Umgebung kommt, erzähle ich natürlich auch von unserer Community. Ganz egal, ob die Person bereits tief in einem Spiel steckt oder gerade erst Interesse entwickelt: Die Einladung zu unseren Gruppen, regelmäßigen Treffen und Veranstaltungen gehört für mich einfach dazu.

Denn die Spielhöhle soll nicht nur ein Ort sein, an dem man etwas kaufen kann. Sie soll auch ein Ort sein, an dem Menschen Anschluss finden, gemeinsam spielen und immer wieder gerne zurückkommen.

Offen bleiben und den ersten Eindruck hinterfragen

Eine der wichtigsten Sachen, die ich im Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen lerne, ist, offen und neugierig zu bleiben. Der erste Eindruck entsteht zwangsläufig durch das Aussehen, das Auftreten und die Ausstrahlung einer Person. Daraus bildet man oft innerhalb weniger Sekunden irgendeine Erwartung – bewusst oder unbewusst.

Ich versuche deshalb, diese vorschnellen Einordnungen beiseitezuschieben und jedem Menschen erst einmal unvoreingenommen zu begegnen. Das ist nicht immer leicht. Wir alle sind durch unsere Erfahrungen, unser Umfeld und vieles, was wir irgendwann einmal gelernt haben, geprägt. So zu tun, als hätte man überhaupt keine Vorurteile, wäre wahrscheinlich unehrlich. Entscheidend ist für mich aber, sie zu erkennen und ihnen nicht einfach zu folgen.

In den vergangenen Monaten habe ich immer wieder erlebt, wie wenig der erste Eindruck tatsächlich über einen Menschen aussagt. Die Erwartungen, die im Kopf vielleicht kurz entstehen, bestätigen sich fast nie. Stattdessen entwickeln sich Gespräche, Begegnungen und manchmal auch längerfristige Bekanntschaften, mit denen man vorher überhaupt nicht gerechnet hätte.

Dabei hilft mir meine natürliche Neugier. Ich interessiere mich wirklich für Menschen und ihre Geschichten: Was spielen sie? Wie sind sie zu ihrem Hobby gekommen? Woher kommen sie? Was begeistert sie besonders? Wenn man sich schon länger kennt, erfährt man manchmal auch, was die Person außerhalb des Hobbys macht und was sie sonst noch beschäftigt.

Gleichzeitig merke ich, dass ich bei meiner Kommunikation noch viel lernen kann. Besonders bei der Wortwahl, beim Zuhören und dabei, mich auf ganz unterschiedliche Menschen einzustellen. Offenheit allein reicht nicht immer aus – man muss sie auch so ausdrücken, dass sie beim Gegenüber ankommt.

Die Community ist das Herz der Spielhöhle

Das Herz der Spielhöhle ist und bleibt die Community. Sie war sogar zuerst da: Bevor es den Laden gab, gab es bereits die Spielhöhle als Anlaufstelle für Menschen, die gemeinsam spielen und Gleichgesinnte kennenlernen wollten.

Ich sage manchmal mit einem Augenzwinkern, dass wir die „verlorenen Seelen einsammeln“. Denn es gibt wahnsinnig viele Menschen, die eigentlich gerne spielen würden, aber nicht wissen, wo sie Mitspieler finden können. Manche sind neu in Regensburg, manche kehren nach vielen Jahren zu einem alten Hobby zurück und andere interessieren sich für ein Spiel, haben aber noch niemanden, mit dem sie anfangen können.

Genau diese Menschen möchte ich erreichen und zusammenbringen.

Die Community ist langsam, stetig und organisch gewachsen: über die Internetseite, die sozialen Medien, persönliche Gespräche und natürlich durch Mundpropaganda. Schon lange vor der Eröffnung des Ladens habe ich recherchiert, was in Regensburg gespielt wird, welche Gruppen es gibt und wo man diese überhaupt finden kann.

Dabei habe ich festgestellt: Nur weil irgendwo gespielt wird, heißt das noch lange nicht, dass Interessierte davon erfahren. Wenn im Internet nicht kommuniziert wird, wann, wo und was gespielt wird, ist eine Gruppe für Außenstehende praktisch unsichtbar.

Durch meinen Beruf als Kommunikationsdesigner war mir früh klar, wie wichtig diese Sichtbarkeit ist. Deshalb berichte ich regelmäßig über unsere Gruppen, Treffen und Veranstaltungen – und deshalb schreibe ich auch diesen Blogbeitrag.

Mein einfacher Tipp an alle, die Mitspieler suchen: Schreibt ins Internet, was ihr macht. Sagt, welches Spiel ihr spielt, wann ihr euch trefft, wo ihr euch trefft und ob neue Leute willkommen sind. Man muss dafür keine aufwendige Werbekampagne starten. Man muss nur auffindbar sein.

Damit eine Community langfristig lebendig bleibt, braucht es allerdings mehr als Sichtbarkeit. Es braucht Treffen, Veranstaltungen und Menschen, die Lust haben, Verantwortung zu übernehmen. Die vielen Events der Spielhöhle könnte ich längst nicht mehr allein organisieren. Dafür gibt es zu viele verschiedene Spiele und Gruppen.

Zum Glück haben wir in vielen Bereichen Menschen, die Lust haben, mitzudenken, mitzuorganisieren und selbst etwas auf die Beine zu stellen. In manchen Gruppen passiert das stärker, in anderen etwas weniger. Meine bisherige Erfahrung ist aber eindeutig: Je mehr innerhalb einer Gruppe kommuniziert wird, desto lebendiger wird sie.

Dabei braucht eine Gruppe nicht unbedingt den besten Spieler als Ansprechpartner. Viel wichtiger ist jemand, der Lust hat, Termine zu organisieren, Veranstaltungen anzukündigen, Fragen zu beantworten und andere zum Mitmachen zu motivieren. Wie gut diese Person das eigentliche Spiel beherrscht, ist dabei fast nebensächlich.

Das sieht man schließlich auch an mir: Ich spiele viele Spiele, aber keines davon wirklich gut. Dafür rede ich viel darüber und bringe dadurch Menschen zusammen.

Ausprobieren, hinterfragen und weitermachen

Vieles davon habe ich früher einfach aus dem Bauch heraus gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass etwas funktionieren könnte, habe es ausprobiert und geschaut, was passiert.

Mittlerweile versuche ich stärker zu verstehen, warum bestimmte Dinge funktionieren und andere nicht. Warum wächst eine Gruppe? Warum bleibt eine andere still? Welche Veranstaltung kommt gut an? Wo fehlt vielleicht nur die richtige Kommunikation? Wer passt als Organisator zu welcher Gruppe? Und welche Idee sollten wir lieber wieder verwerfen?

Natürlich könnte man viele dieser Themen studieren oder in Fachbüchern nachlesen. Das war aber noch nie meine bevorzugte Art zu lernen. Ich bin ein Learning-by-Doing-Mensch. Ich möchte Dinge ausprobieren – und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder.

Ausprobieren, beobachten, hinterfragen, verändern und erneut ausprobieren.

Genau das ist wahrscheinlich die wichtigste Sache, die ich in diesem ersten halben Jahr gelernt habe: Ich darf nicht aufhören, Fragen zu stellen und an den kleinen Stellschrauben zu drehen.

Was funktioniert? Was funktioniert nicht? Warum klappt etwas mit bestimmten Menschen besonders gut? Wo brauche ich Unterstützung? Was kann verbessert werden? Und was sollten wir lieber sein lassen?

Die Spielhöhle wird deshalb wahrscheinlich niemals wirklich fertig sein. Der Laden verändert sich, das Sortiment wächst, neue Menschen kommen dazu, Gruppen entstehen und Veranstaltungen entwickeln sich weiter.

Und genau dieses ganze Drumherum macht mir wahnsinnig viel Spaß.