Ich bin heute erst mal aus allen Wolken gefallen. Eine E-Mail vom Hauptzollamt Regensburg. Es geht um eine Prüfung wegen möglicher Schwarzarbeit. Ich möge mich doch bitte melden, damit man das weitere Vorgehen besprechen kann.
Mein erster Gedanke: Das ist Spam. Also habe ich die E-Mail-Adresse angeschaut, das Hauptzollamt gegoogelt, Telefonnummern und Anschrift verglichen. Hat alles gepasst. Gut, dann rufe ich da wohl mal an.
Tatsächlich hatte ich den Beamten am Telefon, der mir geschrieben hatte. Es ging um unsere Veranstaltungen und die Frage, ob dabei Menschen illegal beschäftigt werden. Offenbar hatte jemand einen entsprechenden Hinweis gegeben.
Ich war erst mal völlig überrumpelt. Zittrig, verwirrt und ehrlich gesagt auch schockiert.
Was wir hier eigentlich machen
Also habe ich erzählt, wie das bei uns läuft. Dass ich die Spielhöhle alleine betreibe. Und dass es Menschen aus der Community gibt, die in ihrer Freizeit freiwillig und ohne Bezahlung Treffen organisieren und Turniere möglich machen. Diese Community-Arbeit ist Teil ihres Hobbys.
Natürlich haben sie selbst auch etwas davon. Wer gerne ein bestimmtes Spiel spielt, freut sich über eine große Gruppe, in der man Mitspieler findet. Wer gerne Turniere spielt, braucht Menschen, die mitspielen, und jemanden, der die Organisation übernimmt. Also nimmt man das gemeinsam in die Hand. Weil man selbst Lust darauf hat und anderen dieselbe Möglichkeit geben möchte.
Zu unseren offenen Treffen und zum freien Spielen kann man kostenlos kommen. Wenn bei einem Turnier eine Teilnahmegebühr anfällt, fließt das Geld in den Preispool und geht als Preise wieder an die Teilnehmenden zurück. Die Organisation wird davon nicht bezahlt. Die Pokémon Challenges sind inzwischen ebenfalls kostenlos, weil mir gerade schlicht die Ware für einen entsprechenden Preispool fehlt.
Der Beamte war übrigens wirklich freundlich. Er hat zugehört, sich das erklären lassen und mir am Ende des Gesprächs gesagt, dass die Sache damit erledigt sei.
Darüber war ich natürlich erleichtert. Trotzdem musste ich das erst mal verdauen.
Erst war die Community da
Die Community gab es schon vor dem Laden. Wir haben uns getroffen, gespielt, Menschen zusammengebracht und gemeinsam Veranstaltungen organisiert. Aus dieser Gemeinschaft heraus ist die Spielhöhle entstanden.
Der ursprüngliche Grund für den Laden war, der Community auch offizielles Organized Play anbieten zu können. Damit wir gemeinsam Möglichkeiten bekommen, die uns vorher gefehlt haben. Der Laden ist aus dem gewachsen, was wir miteinander aufgebaut haben.
Inzwischen entwickelt sich das alles ziemlich schön. Ich möchte weitermachen, und wenn es so weitergeht, wird daraus vielleicht irgendwann auch mein Hauptberuf. Das würde mich freuen. Der Ausgangspunkt bleibt aber derselbe: Ich möchte einen Ort schaffen, an dem die Leute ihrem Hobby nachgehen können und eine Gemeinschaft finden.
Im Wirtshaus und im Laden
Unsere Sonntagstreffen finden im Wirtshaus der SG Walhalla statt. Der Wirt stellt uns den Nebenraum und auch die Wirtsstube kostenlos zur Verfügung. Dafür kaufen wir Essen und Getränke bei ihm. Die Bewirtung übernimmt das Wirtshaus mit seinen eigenen Angestellten.
Daneben gibt es Veranstaltungen direkt in der Spielhöhle: zum Beispiel kleinere Tabletop-Turniere oder Pre-Release-Events, wenn neue Kartenspiel-Sets erscheinen. Die Leute möchten die neuen Karten gemeinsam ausprobieren und natürlich auch kaufen können – vorausgesetzt, ich habe überhaupt Ware oder genügend davon bekommen. Dieser Verkauf findet im Geschäft statt.
Natürlich verkaufe ich im Laden Produkte und erziele damit Umsatz. Gleichzeitig gibt es die Menschen aus der Community, die aus Freude am Hobby freiwillig und unbezahlt Spielrunden und Turniere mitorganisieren.
Ein Treffpunkt entsteht nicht von alleine
Hinter unseren Veranstaltungen stecken Menschen, die ihre Freizeit investieren. Die Regeln erklären, Paarungen erstellen, Fragen beantworten und dafür sorgen, dass alle eine schöne Zeit haben. Für mich hat das viel von Vereinsarbeit, auch wenn kein Verein dahintersteht: Man teilt ein Hobby und macht gemeinsam etwas möglich.
Ich selbst bin inzwischen nicht mehr jeden Sonntag dabei. Seit der Laden offen ist, möchte meine Familie mich am Wochenende auch mal einen Tag sehen. Dass die Treffen trotzdem weiterlaufen, verdanken wir den Menschen, die aus eigenem Antrieb Verantwortung übernehmen. Weil ihnen diese Gemeinschaft genauso am Herzen liegt.
Und dann kommt so eine Anfrage. Da sitzt man erst mal da und fragt sich, wie ausgerechnet dieses gemeinsame Engagement unter Verdacht geraten konnte.
Man kann mich auch einfach fragen
Ich weiß nicht, von wem der Hinweis kam oder was die Person dazu bewegt hat. Vielleicht wurde etwas falsch verstanden. Vielleicht gab es Fragen dazu, wie unsere Veranstaltungen organisiert sind. Ich hätte mir gewünscht, dass diese Fragen erst einmal bei mir landen.
Man kann mich ansprechen. Man kann fragen, wer die Treffen organisiert, was mit Teilnahmegebühren passiert und wie das alles funktioniert. Ich erkläre das gerne.
Dass der Zoll einem Hinweis nachgeht, kann ich nachvollziehen. Der Beamte hat das Gespräch freundlich und sachlich geführt. Mein Frust richtet sich auch nicht gegen ihn. Aber bei mir hat die Sache trotzdem ordentlich eingeschlagen.
Umso mehr möchte ich den Menschen danken, die das alles möglich machen. Die ihre Freizeit investieren, anderen Spiele erklären und unsere Community mittragen. Weil es ihr Hobby ist. Weil sie selbst gerne spielen und sich freuen, wenn andere dazukommen. Genau daraus ist die Spielhöhle entstanden, und genau davon lebt sie bis heute.