Dann kam mir allerdings der Gedanke, dass ich im Grunde etwas ganz Ähnliches mache. Nicht mit Nationalität oder Herkunft, sondern mit einem Hobby. Die Spielhöhle ist schließlich ebenfalls eine Bubble, nur eben eine Nerd-Bubble. Ich habe einen Ort geschaffen, an dem Menschen zusammenkommen, die Sammelkartenspiele spielen, Miniaturen bemalen, Rollenspiele mögen oder sich stundenlang über irgendwelche Details ihres Hobbys unterhalten können. Und natürlich bin ich selbst ein Teil davon.
Interessanterweise habe ich die Spielhöhle trotzdem nie als etwas Abgeschlossenes gesehen. Für mich ist sie genau das Gegenteil: ein offener Ort, an dem jeder hereinkommen, Fragen stellen und mitmachen kann. Ein großer Teil meiner Community-Arbeit besteht sogar darin, Menschen einzusammeln, die bisher noch keinen Zugang zu dieser Welt gefunden haben. Trotzdem habe ich mich gefragt, ob jemand von außen das vielleicht ganz anders wahrnimmt.
Je länger ich hier im Restaurant sitze, desto mehr wird mir allerdings bewusst, warum diese Gemeinschaft auf mich zunächst so geschlossen gewirkt hat. Ich kann kein Vietnamesisch. Ich verstehe nicht, worüber die Mitarbeiter miteinander reden, bekomme nur mit, dass sie scherzen, sich unterhalten und sich offensichtlich teilweise schon lange kennen. Natürlich begrüßen sich Menschen, die sich kennen, herzlicher und persönlicher als irgendeinen Urlauber, der heute einmal zum Essen hereinkommt. Ich werde freundlich und höflich begrüßt, aber eben nicht mit derselben Vertrautheit.
Genau dadurch entsteht sehr schnell das Gefühl: Die gehören zusammen und ich nicht dazu. Dabei muss mich überhaupt niemand aktiv ausschließen. Mir fehlen einfach die gemeinsame Sprache, die gemeinsamen Erlebnisse und die Vertrautheit.
Und genau da wird es für mich interessant, weil das in der Spielhöhle genauso passieren kann. Auch dort treffen Menschen aufeinander, die sich schon kennen, Insider haben und eine eigene Sprache sprechen. Da geht es um Decklisten, Fraktionen, Formate, Editionen, Regeln und irgendwelche Abkürzungen, die für uns völlig selbstverständlich sind. Wer zum ersten Mal hereinkommt und mit dieser Welt noch nichts zu tun hatte, versteht vielleicht genauso wenig wie ich gerade das Vietnamesisch am Nebentisch.
Von außen sieht man diese Bubble wahrscheinlich nicht einmal sofort. Wer an der Spielhöhle vorbeiläuft, sieht zunächst einen Laden mit Karten, Figuren und Spielen. Erst wenn man ein Stück eintaucht, entdeckt man dahinter die Community, die Gruppen, Treffen, Freundschaften und all die kleinen sozialen Strukturen, die sich über die Zeit entwickelt haben.
Vielleicht ist eine Bubble deshalb auch gar nicht automatisch etwas Negatives. Menschen suchen Gemeinschaft und andere Menschen, mit denen sie etwas verbindet. Das kann Herkunft sein, Sprache, Musik, Sport oder eben kleine Plastikfiguren und bunte Pappkarten. Entscheidend ist für mich weniger, dass es diese Bubble gibt, sondern wie leicht jemand von außen hineinkommt.
Für mich nehme ich aus diesem Restaurantbesuch deshalb vor allem eines mit: Ich möchte weiterhin darauf achten, jeden Menschen, der zum ersten Mal in die Spielhöhle kommt, wirklich herzlich zu begrüßen und nicht nur höflich abzufertigen. Vielleicht kurz erklären, was gerade passiert, Interesse zeigen und vermitteln, dass man hier nicht erst jahrelang dazugehören muss, um willkommen zu sein.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen einer geschlossenen Bubble und einer guten Community: Die Menschen darin dürfen eng miteinander verbunden sein, aber die Tür nach draußen sollte immer offenstehen.