Ich kenne dieses Problem inzwischen seit einigen Jahrzehnten und habe im Laufe meines Lebens verschiedene Strategien entwickelt, um den persönlichen Iltis möglichst zu Hause zu lassen. Warum eigentlich Iltis? Weil ich schon mein ganzes Leben den Spruch kenne: „Boah, du stinkst ja wie ein Iltis.“ Der Iltis gehört zu den Marderartigen und kann offenbar ziemlich intensiv riechen. Damit ist er für mich inzwischen zum inoffiziellen Maskottchen all jener Gerüche geworden, die man lieber nicht mit auf ein Turnier, einen Spieleabend oder irgendeine andere Veranstaltung nehmen möchte.
Was bei mir hervorragend funktioniert, ist eine Dusche möglichst kurz bevor ich losfahre. Und wenn ich Dusche sage, dann meine ich nicht dieses vorsichtige dreimal Wasser über den Körper laufen lassen und fertig. Ich meine Schaum. Viel Schaum. So viel Schaum, dass es ungefähr aussieht wie in den 90ern bei einer Schaumparty in irgendeiner vollkommen überfüllten Disco. Man sieht nichts mehr, irgendwo läuft viel zu laute Musik und die komplette Umgebung besteht nur noch aus weißem Schaum. Ungefähr diese Eskalationsstufe brauche ich, damit ich das Gefühl habe, der Iltis hat verstanden, dass er heute nicht mitkommt.
Als ich noch längere Haare hatte, kam natürlich ordentlich Shampoo auf den Kopf. Heute mit den kurzen Haaren brauche ich davon deutlich weniger, aber den Shampoo-Schaum benutze ich trotzdem gerne gleich noch für eine kleine Vorwäsche unter den Achseln. Danach wird alles abgespült und dann kommt Runde zwei mit Duschgel. Einseifen, schrubben, Schaumparty. Wenn ich das Gefühl habe, dass sich der Iltis an diesem Tag besonders hartnäckig irgendwo festgekrallt hat, mache ich das durchaus auch zweimal hintereinander. Zwischendrin kann man außerdem wunderbar den wissenschaftlich hochentwickelten Schnüffeltest durchführen: Arm hoch, Nase ran, Analyse. Wenn man danach noch bei Bewusstsein ist und das Ergebnis zufriedenstellend ausfällt, kann es weitergehen.
In extremen Fällen habe ich tatsächlich auch schon eine Fingernagelbürste benutzt. Ja, unter der Achsel. Das ist jetzt nicht unbedingt der entspannende Wellnessmoment einer durchschnittlichen Spa-Werbung, aber es funktioniert bei mir erstaunlich gut. Natürlich schrubbe ich da nicht herum, bis die erste Hautschicht neben mir im Abfluss verschwindet. Ein bisschen Gefühl sollte man schon noch besitzen. Aber wenn sich irgendetwas besonders hartnäckig hält, hilft das bei mir manchmal tatsächlich Wunder.
Danach wird ordentlich abgetrocknet und dann kommt Deo drauf. Ich glaube, ich habe inzwischen fast jede Entwicklungsstufe menschlicher Deo-Technologie ausprobiert: Sprühdose, Pumpflasche, Roller und vermutlich noch irgendwelche Dinge, an die ich mich inzwischen nicht mehr erinnern kann. Momentan bin ich bei diesen eher wachsartigen Deo-Sticks angekommen. Mit denen fahre ich ziemlich gut. Ein paarmal unter der Achsel entlang und danach habe ich das Gefühl, dass dort erst einmal eine solide Iltis-Sperrzone eingerichtet wurde. Was darunter passiert, möchte ich gar nicht so genau wissen. Hauptsache, es bleibt dort.
Ein ganz wichtiger Punkt sind für mich anschließend frische Klamotten. Wenn ich schon geduscht, geschrubbt, shampooniert und mich mit Deo versiegelt habe, ziehe ich danach doch nicht wieder den alten Lappen an, in dem ich vorher schon herumgeschwitzt habe. Alles, was ich direkt am Körper trage, wird bei mir nach einem Tag gewaschen. T-Shirt, Unterwäsche und alles, was eben unmittelbaren Kontakt mit dem Körper hatte: ab in die Wäsche. Bei Sachen, die darüber getragen werden, zum Beispiel einem Pulli, bin ich etwas großzügiger. Die bekommen allerdings eine permanente Schnüffelprobe. Geht noch? Gut. Irgendwie verdächtig? Waschmaschine.
Dabei gilt bei mir grundsätzlich: lieber einmal zu viel waschen als einmal zu wenig. Mir ist es nämlich furchtbar unangenehm, wenn ich selbst rieche. Vielleicht würde es niemand anderem auffallen. Vielleicht bilde ich mir auch manchmal schon etwas ein. Ist mir egal. Wenn ich bei einem Kleidungsstück Zweifel habe, kommt es in die Wäsche. Ich möchte nicht irgendwann auf einer Veranstaltung dasitzen und die nächsten sechs Stunden darüber nachdenken, ob dieser merkwürdige Geruch gerade von irgendwo aus dem Raum kommt oder ob ich selbst die biologische Geheimwaffe bin.
Mit zunehmendem Alter habe ich außerdem festgestellt, dass mein Körper beschlossen hat, an vollkommen unnötigen Stellen immer kräftigere und borstigere Haare zu produzieren. Ich befinde mich inzwischen irgendwo in der Vor-vor-Vorstufe zum Opa-Dasein und offenbar gehört es zum Alterungsprozess, dass der Haarwuchs langsam von den Stellen verschwindet, an denen man ihn gerne hätte, und dafür an anderen Orten hochmotiviert die Weltherrschaft anstrebt.
Unter den Achseln ist das für mich tatsächlich relevant, denn wenn die Haare dort zu lang werden, funktioniert meine komplette Iltis-Abwehr deutlich schlechter. Ich kann duschen, shampoonieren und schrubben, alles riecht erst einmal wunderbar, und sobald ich ein bisschen schwitze, scheint irgendwo aus den Tiefen der Achselbehaarung ein uralter Geruch wieder zum Leben zu erwachen. Als hätte man einen Dämon jahrhundertelang in einer Gruft eingeschlossen und der Schweiß eines alternden Nerds hätte ihn versehentlich wieder beschworen.
Also kommen die Haare ab. Aber nicht komplett. Ich benutze dafür meinen Langhaarschneider, mit dem ich auch meinen Kopf rasiere, und kürze die Achselhaare einfach auf ein paar Millimeter. Nassrasieren habe ich ebenfalls ausprobiert und für mich beschlossen: Nein. Danach hatte ich Pusteln, Pickel und dieses wunderbare Gefühl, wenn die neuen borstigen Haare versuchen, wieder durch die Haut zu wachsen wie Krokusse, die mit aller Gewalt den Frühling ankündigen wollen. Nur leider unter der Achsel. Ganz unangenehm. Deshalb wird nur gestutzt. Das muss auch überhaupt nicht perfekt aussehen. Normalerweise führt schließlich niemand auf einem Pokémon-Turnier eine Bewertung meiner Achselfrisur durch.
Alle zwei bis drei Wochen gehe ich deshalb kurz mit dem Langhaarschneider drüber. Zack, zack, fertig. Danach ist das Zeug kurz und ich habe zumindest das Gefühl, dass sich dort keine historischen Geruchsschichten mehr einlagern können, die beim nächsten Schweißtropfen wieder aktiviert werden. In Kombination mit Duschen, ordentlich Einseifen, Deo und frischer Kleidung funktioniert das bei mir ziemlich zuverlässig.
Und dann wären da natürlich noch die Zähne. Zähneputzen gehört bei mir sowieso zum Morgenprogramm. Wenn ich aber erst später am Tag aus dem Haus gehe, zwischendurch etwas gegessen habe und irgendwann merke, dass ich schon so einen komischen Geschmack im Mund habe, gehe ich grundsätzlich davon aus, dass die Chancen nicht schlecht stehen, dass das Ganze für meine Mitmenschen auch nicht unbedingt nach Frühlingswiese riecht. Wenn ich die Möglichkeit habe, putze ich mir deshalb vor dem Weggehen einfach noch einmal die Zähne.
Klar, wenn man schon den ganzen Tag unterwegs ist, gegessen, getrunken und irgendwelches Zeug gemacht hat, kann man nicht permanent aussehen und riechen, als wäre man vor drei Minuten frisch aus einer Zahnpasta-Werbung gestiegen. Das ist halt so. Aber wenn ich noch zu Hause bin, sowieso gleich loswill und die Möglichkeit habe, dann nehme ich mir die paar Minuten eben noch. Ich möchte schließlich halbwegs frisch bei den schönen Veranstaltungen auftauchen, auf die ich mich den ganzen Tag schon freue.
Das sind eigentlich meine persönlichen Tricks, mit denen ich seit Jahren ziemlich gut fahre: kurz vor dem Weggehen ordentlich duschen, den Schaum vollständig eskalieren lassen, im Zweifelsfall zweimal waschen, Deo drauf, frische Kleidung anziehen, die Achselhaare gelegentlich stutzen und bei Bedarf noch einmal die Zähne putzen. Alles keine Raketenwissenschaft, aber in der Kombination hält es meinen persönlichen Iltis meistens ziemlich zuverlässig davon ab, mich auf meinen Ausflügen zu begleiten.
Und jetzt würde mich tatsächlich interessieren, was ihr so für Methoden entwickelt habt. Gibt es irgendein Deo, auf das ihr seit Jahren schwört? Irgendeinen völlig simplen Trick, bei dem ihr euch irgendwann gedacht habt: Warum zum Teufel mache ich das eigentlich nicht schon seit zwanzig Jahren? Schreibt es mir gerne. Ich bin für neue Erkenntnisse in Sachen Iltisabwehr jederzeit zu haben.