Wie aus einer Community ein echter Ort wurde
Am 15. Januar 2026 hat die Spielhöhle Regensburg ihre Türen geöffnet.
Seitdem sind drei Monate vergangen – und in dieser Zeit ist unglaublich viel passiert.
Was als kleine Pokémon-Runde zu Hause begann, ist heute ein lebendiger Treffpunkt für Trading Card Games, Tabletop und Rollenspiel in der Regensburger Altstadt.
Ein Gespräch über den Weg dorthin, die ersten Monate – und warum die Spielhöhle mehr ist als nur ein Geschäft.
Die Idee: Warum überhaupt ein eigener Laden?
Frage: Du hast die Spielhöhle am 15. Januar eröffnet. War das schon lange dein Plan?
Antwort:
Die Idee, einen eigenen Laden zu eröffnen, hatte ich tatsächlich schon viele Jahre. Früher wusste ich aber nie so richtig, was genau. Zu Zeiten meines YouTube-Kanals Weltenbauer Club dachte ich, es würde etwas im Bereich Modellbau werden. Aber keine dieser Ideen hat wirklich gezündet. Es hat der Kern gefehlt.
Was sich dann entwickelt hat, war etwas ganz anderes. Und viel stärker.
Frage: Was war der Auslöser?
Antwort:
Die Community.
Marc und ich haben angefangen, mit unseren Kindern und ein paar Freunden Pokémon zu spielen. Ganz einfach am Tisch zu Hause. Daraus wurden schnell mehr Leute. Wir sind dann in einen Nebenraum im TSV Kareth-Lappersdorf gegangen, später ins SG Walhalla.
Und es ist immer weiter gewachsen.
Immer mehr Menschen. Immer mehr Spiele. Pokémon, Yu-Gi-Oh!, Lorcana, Tabletop, Rollenspiele.
Irgendwann war klar: Wenn wir das richtig machen wollen, mit Events und Organized Play, dann brauchen wir einen eigenen Ort dafür.
Die Spielhöhle ist nicht aus einer klassischen Geschäftsidee entstanden.
Sie ist aus einer Community entstanden.
Frage: Was ist der Grundgedanke hinter der Spielhöhle?
Antwort:
Community first.
Wir wollen spielen. Wir wollen tauschen. Wir wollen gemeinsam Spaß an unserem Hobby haben. Jeder ist willkommen.
Heute sind über 500 Menschen Teil der WhatsApp-Community. Und das alles ist in nicht einmal eineinhalb Jahren entstanden.
Wenn ich daran denke, dass das alles damit angefangen hat, mit unseren Kindern am Tisch Karten zu spielen, ist das einfach verrückt.
Die Ladeneröffnung war nicht der Anfang.
Sie war die logische Konsequenz.
Der Schlüssel: Der Moment, in dem es real wurde
Frage: Wie bist du zu dem Laden in der Oberen Bachgasse gekommen?
Antwort:
Das war tatsächlich Zufall.
Ich hatte mir vorher mehrere andere Läden angeschaut. Einer davon war ein kleines Erdgeschoss-Objekt, das ich sogar schon angefangen hatte zu renovieren, zusammen mit Hilfe aus der Community. Aber das ist dann an Denkmalschutz und den Investitionskosten gescheitert.
Im Sommer 2025 habe ich weitergesucht. Viele Läden waren zu teuer oder haben sich einfach nicht richtig angefühlt.
Und dann habe ich im Dezember einen kleinen, unscheinbaren Aushang in der Oberen Bachgasse gesehen.
Ich habe mich gemeldet.
Am 28. Dezember habe ich den Mietvertrag unterschrieben.
Am 8. Januar habe ich den Schlüssel bekommen.
Der Raum war leer. Eine leere Hülle.
Und ich wusste: In einer Woche eröffne ich hier meinen eigenen Laden.
Die Hauruck-Woche: Aufbau im Alleingang
Frage: Du hast den Laden komplett alleine aufgebaut. Warum?
Antwort:
Ich wollte das ganz bewusst alleine machen.
Nicht, weil niemand helfen wollte. Sondern weil ich jeden Schritt selbst erleben wollte. Ich wollte, dass das wirklich mein Baby ist.
Ich habe einen kleinen Kastenwagen und bin unzählige Male zwischen Wohnung und Laden hin- und hergefahren. Möbel, Ware, Regale.
Ich war komplett im Tunnel.
Frage: Hattest du Zweifel, dass du es rechtzeitig schaffst?
Antwort:
Nein. Das war nie eine Frage.
Mein Ansatz heute ist: Go with the flow.
Erstmal einen guten 80-Prozent-Stand schaffen. Der Rest entwickelt sich weiter.
Und genau so ist es auch.
Der Laden verändert sich bis heute ständig. Ich stelle Möbel um, verbessere Dinge, ergänze Neues.
Und das ist gut so.
Die Spielhöhle wächst. Genau wie die Community.
Der Eröffnungstag: 15.01., 15:01 Uhr
Frage: Warum genau um 15:01 Uhr?
Antwort:
Weil ich solche Details liebe.
Ich komme aus der Werbung. Und die Leute fanden es tatsächlich auch witzig.
Frage: Wie war dieser Tag?
Antwort:
Magisch.
Draußen standen schon Menschen. Bestimmt zehn, vielleicht zwanzig.
Alle aus der Community.
Sie hatten Geschenke dabei. Karten. Gutscheine.
Der Laden war den ganzen Tag voll.
Bis heute war das der umsatzstärkste Tag überhaupt.
Aber viel wichtiger war das Gefühl.
Die Spielhöhle wurde sofort angenommen.
Alltag und Realität: Nicht jeder Tag ist gleich
Frage: Wie waren die Tage danach?
Antwort:
Natürlich ruhiger.
Der zweite Tag war fast schon eine kleine Erdung. Aber das war völlig logisch.
Wie bei einer Ausstellung: Zur Vernissage kommen viele. Danach die, die wirklich bleiben wollen.
Die meisten Tage haben gut funktioniert.
Bis auf diesen einen.
Frage: Was ist passiert?
Antwort:
Minus acht Grad. Die Stadt war leer.
Über den ganzen Tag kamen zwei Kunden.
Vier Booster.
20 Euro Umsatz.
Und natürlich denkt man kurz: Okay. Was, wenn das jetzt normal wird?
Aber das war die absolute Ausnahme.
Es hat mir gezeigt: Man darf nicht in Tagen denken. Sondern in Monaten und Jahren.
Zwischen Chaos und Alltag: Wenn plötzlich alles gleichzeitig passiert
Frage: Gab es Dinge, die du schlicht vergessen hast?
Antwort:
Ja. Die Events auf der Website.
Vor lauter Laden aufbauen, einrichten, Ware bestellen, Events organisieren und den täglichen Betrieb stemmen habe ich sie komplett vergessen einzutragen.
Ich habe sie dann einfach über die WhatsApp-Community und über eine handgeschriebene Tafel im Laden kommuniziert.
Das funktioniert für die bestehende Community. Aber natürlich nicht für neue Leute.
Also sitze ich jetzt gerade daran, alles nachzupflegen.
Frage: Und wie gehst du damit um?
Antwort:
Ich versuche, daraus Routinen zu machen.
Dass solche Dinge ganz selbstverständlich passieren und nicht als großer Block auf einmal kommen.
Der Laden wächst.
Und ich wachse mit.
Organized Play: Der nächste große Schritt
Frage: Wo stehst du beim Thema Organized Play?
Antwort:
Mitten drin – und mittlerweile einen großen Schritt weiter.
Für viele Trading Card Games gibt es offizielle Organized Play Programme. Als registrierter Store kann man Turniere veranstalten, bekommt Pre-Release-Kits, Promokarten und Preispacks – also genau die Dinge, die das Spielerlebnis nochmal auf ein anderes Level heben.
Und inzwischen ist es so weit:
Die Spielhöhle ist offiziell Organized Play Store für Pokémon und Lorcana.
Frage: Das klingt nach einem wichtigen Meilenstein.
Antwort:
Ist es auch.
Gerade am Anfang hat mich das Thema Umsatzsteuer-ID ziemlich ausgebremst. Das war ehrlich gesagt frustrierend, weil alles andere schon bereit war: die Community, die Spieler, die Motivation.
Und dann hängt es an so einem bürokratischen Detail.
Aber sobald das geklärt war, ging es plötzlich ganz schnell.
Frage: Was bedeutet das konkret für die Spielhöhle?
Antwort:
Vor allem mehr Möglichkeiten.
Wir können jetzt offizielle Turniere veranstalten, Pre-Releases anbieten und den Spielern genau die Inhalte geben, die man sonst nur aus größeren Stores kennt.
Das Ganze bekommt dadurch mehr Struktur – aber ohne den Community-Gedanken zu verlieren.
Und genau das war von Anfang an das Ziel.
Events: Das Herz der Spielhöhle
Frage: Welche Rolle spielen Events für dich?
Antwort:
Die zentrale Rolle.
Die Spielhöhle ist kein Laden, in den man nur reinkommt, etwas kauft und wieder geht. Sie ist ein Ort, an dem man bleibt.
Ein Treffpunkt. Ein Wohnzimmer. Ein Safe Space.
Bei den Events merkt man das am stärksten: Menschen kommen zusammen, die sich vorher nicht kannten, setzen sich an einen Tisch und sind nach kurzer Zeit mitten im Gespräch oder im Spiel.
Man teilt sein Hobby. Man lernt neue Leute kennen. Und manchmal entsteht daraus mehr.
Genau dafür gibt es die Spielhöhle.
Drei Monate später: Was sich entwickelt hat
Frage: Wenn du jetzt auf die ersten drei Monate zurückblickst – was hat sich verändert?
Antwort:
Ehrlich gesagt: Es ist alles gewachsen.
Die WhatsApp-Community ist inzwischen auf über 500 Menschen angewachsen. Das merkt man nicht nur online, sondern auch im Laden selbst. Es gibt immer mehr bekannte Gesichter, die regelmäßig kommen, und gleichzeitig ständig neue Leute, die dazustoßen.
Diese Mischung ist unglaublich schön.
Frage: Wie haben sich die einzelnen Bereiche entwickelt?
Antwort:
Besonders stark ist gerade der Tabletop-Bereich gewachsen. Wargaming hat sich in kurzer Zeit richtig entwickelt, da passiert gerade viel.
Aber auch die Trading Card Games wachsen weiter. Mehr Spieler, mehr Austausch, mehr Events.
Man merkt einfach: Die Community wird breiter – und gleichzeitig auch tiefer.
Frage: Hat sich dein Gefühl zum Laden verändert?
Antwort:
Ich bin immer noch genauso überwältigt wie am Anfang.
Vielleicht sogar noch mehr.
Weil ich jetzt sehe, dass es nicht nur ein guter Start war, sondern dass es sich trägt. Dass die Leute wiederkommen. Dass neue dazukommen. Dass etwas entsteht, das Bestand hat.
Der Laden wächst. Die Community wächst.
Und es macht einfach richtig Spaß.
Was dich am meisten überrascht hat
Frage: Was hat dich persönlich am meisten überrascht?
Antwort:
Wie viele Menschen einfach spontan reinkommen.
Ich dachte am Anfang wirklich, dass ich eine absolute Nische bediene. Dass die Leute gezielt kommen müssen, weil sie wissen, dass es diesen Ort gibt.
Aber wenn im Laden Leben ist, wenn Leute spielen, reden, lachen, dann bleiben draußen Menschen stehen, schauen rein – und kommen einfach herein.
Und das passiert jeden Tag.
Frage: Und was bedeutet dir das?
Antwort:
Sehr viel.
Weil es zeigt, dass die Spielhöhle offen wirkt. Einladend. Nicht abschreckend, sondern neugierig machend.
Und dass sich die Menschen wohlfühlen, merkt man daran, dass sie bleiben. Dass sie wiederkommen. Dass sie Teil davon werden.
Und nach drei Monaten kann ich sagen:
Dieses Gefühl ist nicht weniger geworden.
Es wird eher stärker.
Danke und Ausblick
Frage: Was bedeutet dir dieser erste Zeitraum insgesamt?
Antwort:
Vor allem Dankbarkeit.
Ohne die Community gäbe es die Spielhöhle nicht. Und zu sehen, wie gut dieser Ort angenommen wird, wie Menschen ihn nutzen, wie er wächst – das ist alles andere als selbstverständlich.
Dafür bin ich wirklich dankbar.
Frage: Und wie geht es weiter?
Antwort:
Ganz konkret habe ich mir für das erste Jahr ein Ziel gesetzt: eine stabile Basis aufbauen.
Im Moment investiere ich alles, was reinkommt, direkt wieder in den Laden. In Sortiment, in Ausbau, in Möglichkeiten.
Und nach diesen ersten drei Monaten fühlt sich dieses Ziel absolut realistisch an.
Frage: Was möchtest du Menschen sagen, die die Spielhöhle noch nicht kennen?
Antwort:
Kommt vorbei.
Schaut euch den Laden an. Setzt euch dazu. Lernt die Leute kennen.
Ich sage manchmal halb im Spaß, ich bin wie ein Wirt – nur ohne Bier und Braten.
Ich biete einen Ort.
Einen Raum, in dem man sich treffen kann. In dem man gemeinsam Zeit verbringt. In dem man einfach gerne ist.
Und genau dafür ist die Spielhöhle da.
Stand: April 2026 – drei Monate nach Eröffnung